Mallorca Immobilien Nachrichten

Vermieten statt verkaufen

Weil der Markt stagniert, finden viele Deutsche, die sich von ihrer Ferienimmobilie in Spanien trennen wollen, keine Käufer mehr. Doch es gibt eine rentable Alternative: das Urlaubsdomizil zu vermieten.

Die Immobilienpreise in Spanien fallen weiter. Gemäß des nationalen Amts für Statistik (INE) sanken sie im dritten Quartal 2008 im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent. Nicht so die Mieten: Weil immer mehr Spanier aus finanzieller Not heraus ihre mit Schulden belastete Wohnung verkaufen müssen und ein Objekt zur Miete suchen, tendieren die Mietpreise nach oben. Laut INE stiegen diese im November 2008 um mehr als vier Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Das Angebot an Mietwohnungen ist in Spanien trotz eines Subventionsplans der Regierung noch immer gering, was den Preisanstieg zusätzlich begünstigt. Das gilt vor allem für die Metropolen Barcelona und Madrid, wo ein Ein-Zimmer-Apartment nicht mehr unter 500 Euro zu mieten ist. An Teilen der Küste und auf den spanischen Inseln ist die Nachfrage nach Mietwohnungen im vergangenen Sommer um 15 Prozent gestiegen. Nach Angaben des Apartment-Vermietungsportals Arrenta liegt der durchschnittliche Mietpreis für eine Ferienwohnung derzeit bei 1000 Euro die Woche. Am teuersten sind die Balearen, die Costa Blanca, die Costa Brava und Lanzarote. „Hier spielt natürlich auch eine Rolle, dass immer mehr Urlauber ein Miet-Apartment einem vergleichweise teuren Hotel vorziehen und sich selbst versorgen“, sagt Manuel Romera von der spanischen Business Schule Instituto de Empresa.

Für viele Deutsche, die derzeit ihr spanisches Ferienhaus nicht verkaufen können, weil der Markt stagniert, bietet sich deswegen diese rentable Alternative an. Auch 2009 erwarten die Branchenexperten einen weiteren Anstieg der Mietpreise. Allerdings sollten deutsche Besitzer nicht den Fehler begehen und versuchen, diese Einnahmen am Fiskus vorbeizuführen. Gemäß des Doppelbesteuerungsabkommens beider Länder müssen Mieteinnahmen dem Finanzamt gemeldet werden. Dabei fallen in Deutschland nur selten Steuern an. In Spanien wird dagegen die Bruttomiete mit 25 Prozent belastet. Wer über eine Organisation vermietet, muss nachweisen, dass diese den entsprechenden Teil der Miete einbehält und ans Finanzamt abführt. „In Deutschland wird nur der Mietgewinn nach Abzug aller Kosten versteuert. Da man Aufwendungen wie Werbekosten absetzen kann und gemäß des Doppelbesteuerungsabkommens der spanische Steueranteil angerechnet wird, bleibt bei der deutschen Erklärung meist nicht viel übrig, das versteuert werden müsste“, erklärt Werner Steuber von der Deutschen und Schweizerischen Schutzgemeinschaft für Auslandsgrundbesitz. Dennoch bestehe Meldepflicht, und die Kontrollen würden immer strenger, so Steuber.

Die spanische Regierung und die 17 autonomen Regionen unterstützen die Entwicklung eines rentablen Vermietungsmarkts. Die Regionalregierungen versuchen, den Prozess des Vermietens zu erleichtern. Allein Andalusien plant im kommenden Jahr, 14 Millionen Euro an staatlichen Hilfen für Mieter und Vermieter zu leisten. Hausbesitzern sollen staatliche Garantien gegeben werden, wenn sie vermieten. „Spanien hat zurzeit noch ein Mietrecht, dass die Räumungsklage bei Versäumnis der monatlichen Zahlung oder Schädigung der Immobilie erschwert“, erklärt der in Madrid ansässige deutsche Rechtsanwalt Karl Lincke. In Andalusien wie auch in einigen anderen Regionen haftet nun der Staat in bestimmten Fällen dafür, wenn es zum Mietausfall kommt. Zudem bekommen notleidende junge Menschen einen monatlichen Zuschuss, damit sie sich eine Mietwohnung leisten können. Um potenziellen Käufern dennoch einen Anreiz zu bieten, bringen Regierung und autonome Regionen gleichzeitig mehr öffentlich finanzierte Eigentumswohnungen auf den Markt.

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