Mallorca Immobilien Nachrichten

Private Schuldenbürde verschärft Rezessionsprobleme Spaniens

Während Spanien immer tiefer in die Rezession rutscht, werden für viele private Haushalte hohe Kredite zum Problem. Im vergangenen Wirtschaftsboom haben die Spanier eine mittlere Pro-Kopf-Verschuldung von 18.000 Euro angehäuft. Diese muss nun in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit und sinkender Löhne abgetragen werden.

Eine schlimmere Arbeitsmarktkrise als in Spanien gibt es nirgendwo sonst in Europa. Die Erwerbslosenquote nähert sich der Marke von 20 Prozent. Viele Arbeitgeber drängen inzwischen auf Einschnitte bei den Löhnen, um ihre Position im Wettbewerb zu verbessern. Firmen, die Gläubigerschutz beantragen müssen, entlassen Mitarbeiter.

Spanien befinde sich in einer Zwickmühle, sagt Volkswirt Dominic Bryant von der Bank BNP Paribas SA in London. "Die Lösung des Wettbewerbsproblems verschärft ihr Schuldenproblem. Und Lohnsenkungen schwächen die Binnenkonjunktur."

Seit die Häuserpreise 2007 zu sinken begannen, ist der Lohn des Bauarbeiters Patricio Zuniga um die Hälfte gesunken. Zusammen mit seiner Frau verdient er nun nur noch 2000 Euro, pro Monat werden aber 1680 Euro für den Hypothekenkredit fällig. "Wir schaffen es immer nur gerade so bis zum Monatsende und greifen bereits auf unsere Ersparnisse zurück", sagte der 40- jährige aus Madrid. Wer Einschnitte beim Lohn nicht akzeptiert, bekomme einfach gesagt, er könne ja gehen.

Nachdem die Blase am Häusermarkt vor über einem Jahr geplatzt ist und der Konjunkturauftrieb durch den Bauboom weggefallen ist, steckt Spanien in der schwersten Rezession seit mehr als sechs Jahrzehnten. Zudem leidet das Land darunter, dass es mit der Abschaffung der Peseta zugunsten des Euro den Wettbewerbsvorteil einer schwächeren Währung verloren hat. Volkswirte wie Luis Garicano von der London School of Economics gehen davon aus, dass nur nachhaltig niedrigere Löhne und Preise die Position des Landes im europäischen Wettbewerb wieder stärken können.

Ein ganzes Jahrzehnt lang ist die Wirtschaftsleistung Spaniens um fast vier Prozent jährlich gewachsen; das Land war damit ein wichtiger Motor der europäischen Konjunktur. Löhne und Preise zogen an, Immobilien wurden immer teurer. In der Folge dieser Aufwärtsspirale häuften die Spanier 800 Mrd. Euro Schulden an. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt erreichten die Schulden der Spanier aus Immobilien- und Verbraucherkrediten 2008 einen Anteil von 70 Prozent. In keiner anderen grossen Volkswirtschaft des Euroraums ist die relative Schuldenlast so hoch. Zum Vergleich: Im europäischen Mittel liegt die Schuldenquote bei 45 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie Daten der Europäischen Zentralbank zeigen.

Das Gehaltsniveau in Spanien steigt zwar noch dort, wo es einflussreiche Gewerkschaften gibt. Im März lag es 3,5 Prozent über dem Wert im Vorjahreszeitraum. Mit steigender Arbeitslosigkeit dürfte sich dies aber ändern. Die VW-Tochter Seat vereinbarte mit ihren Beschäftigten bereits eine Nullrunde. Diese machte der Konzern zur Bedingung, um die Produktion des kleinen Geländewagens Q3 von Audi nach Spanien zu geben.

"Wenn der Abschwung anfängt, die gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer zu betreffen, werden sie sensibler gegenüber den Entwicklungen in der Gesamtwirtschaft", sagt Gerogorio Izquierdo, Analysechef beim Institut für volkswirtschaftliche Studien in Madrid.

Die Gehälter von Zeitarbeitern werden bereits gekürzt. In Spanien liegt ihr Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung bei 29 Prozent und damit doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Europäischen Union. Beispiel Pedro Sanchez. Der Sicherheitstechniker hat in diesem Jahr eine Lohnsenkung um 25 Prozent akzeptiert, um seinen Zeitvertrag zu behalten. Mit dem Einkommensrückgang auf 900 Euro wird es für ihn nun schwierig einen Kredit über insgesamt 3000 Euro zurückzuzahlen. "Sie können sich vorstellen, wie besorgt ich bin", sagt der 30- jährige.

Die wirtschaftliche Belastung durch die Schulden wird noch verstärkt, dass Spanien zu den Ländern gehört, die am stärksten von der Deflation bedroht sind. Im März sind die Verbraucherpreise erstmals seit 1952 auf Jahresbasis gesunken. Im Mai gingen sie 0,8 Prozent zurück. Im Euroraum insgesamt stagnierten die Preise.

"Deflation erhöht die Schuldenlast", erklärt Gayle Allard, Vizerektor des Wirtschaftshochschule Instituto de Empresa. "Eine schlimmere Konstellation von Faktoren, als sie hier zu beobachten ist, ist kaum vorstellbar.