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Mallorca für Alle - Die gegensätzlichen Gesichter einer Insel

MALLORCA. Herrliche Wanderungen im gebirgigen Westen, einsame Strände in versteckten Badebuchten und Erkundungstouren durch charmante Städtchen mit Geschichte: Ja, Abseits vom Proletengrill Ballermann ist Mallorca ein wahres Entspannungsparadies.

Beschwingten Schrittes schreitet Wanderführer Paulo voran: Wir marschieren auf der „Route der Trockensteinmauern“ irgendwo zwischen Fornalutx und Sóller unter uralten, silbrig glänzenden Olivenbäumen. Zwischendurch öffnen sich herrliche Ausblicke auf die zerklüftete, wildromantische Westküste Mallorcas. Nach einigen Minuten ändert sich das Szenario, und wir finden uns in weiten Orangen- und Mandarinengärten wieder. Eine tiefe Stille und Ruhe umgibt uns, die von der Harmonie dieser wunderschönen, uralten mediterranen Landschaft verstärkt wird. Es ist kaum zu glauben: 40 Kilometer Luftlinie entfernt tobt der Ballermann: Sangría aus Kübeln, Diskobeats am Strand, nackte Halbwüchsige, die sich am Sandstrand räkeln. Doch hier, im äußersten Westen Mallorcas, zeigt die beliebte Urlaubsinsel ihre wahre Schönheit.

 

1000 Jahre alte Bäume

Paulo erzählt über die Lebensgrundlage der Region Sóller: Rund um das gleichnamige Städtchen, in der hügeligen Senke zwischen Meer und Tramuntana-Gebirge, gedeihen Zitrusfrüchte vortrefflich. Wohin das Auge blickt, überall leuchten die Farbtupfer der Orangen, Zitronen und Mandarinen aus ihrem sattgrünen Laub. Das zweite Geschenk von Mutter Natur ist die Olive: Wir hören mit Erstaunen, dass die knorrigen Bäume mitunter über 1000 Jahre alt sind. Je älter ein Olivenbaum, desto süßer wird übrigens sein Öl.

Weiter führt der Weg durch wunderschöne Terrassenlandschaften und entlang kunstvoll aufgeschichteter Trockensteinmauern. Dank Terrassierung wurden die steilen Hänge dereinst für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Die kunstvoll geschichteten Steinmauern müssen ganz ohne Füllmaterial halten, andernfalls würde die Drainagierung und somit die Wasserver- und -entsorgung nicht funktionieren. Immerhin braucht ein einziger Orangenbaum 60 bis 70 Liter Wasser pro Tag!

Die Route der Trockensteinmauern klingt mallorquinisch viel romantischer „Ruta de Pedra en Sec“ und ist eine Entdeckungsreise durch die Serra de Tramuntana. Sie verläuft als Fernwanderweg mit 150 Kilometer Länge. Entlang der Route findet man zahlreiche Zeugnisse von menschlichem Leben im Einklang mit der Natur: historische Karren- und Fußwege, Schneehäuser (zum Kühlen von Speisen) oder Trockenmauerbrunnen. Der Weg verläuft entlang der höchsten Berge Mallorcas (sie haben eine Höhe bis zu 1445 Meter) und passiert entzückende Bergdörfchen wie Estellencs, Banyalbufar, Esporles, Valldemossa, Deià, Sóller, Fornalutx und Pollença. Dazwischen laden urige Bergschutzhütten zur Rast. Das Tramuntana-Gebirge ist die vom Tourismus am wenigsten entdeckte Region der größten Baleareninsel: Hier kann man noch das echte Mallorca mit seinen Traditionen und Bräuchen erleben.

Lukullische Traditionen

Gegen Mittag erreichen wir Sóller und freuen uns auf eine Stärkung. Sie kommt als lebendiger Beweis mallorquinischer Tradition: Die Ölmühle Can Det ist die einzige noch erhaltene der Insel, die das goldgelbe Öl nach der altüberlieferten, sehr arbeitsintensiven Methode herstellt: Patrón Juan Deya verwendet ausschließlich Oliven von uralten Bäumen, die ja bekanntlich süßeres Öl liefern, und nur ganz reife Früchte, die von allein vom Baum fallen. Das Ergebnis ist köstlich. In den gemütlichen Räumen des historischen Can Det-Hauses aus dem Jahr 1561 genießen wir die herzhafte Jause Pa amb Oli (Brot mit Olivenöl), als Aufputz gibt’s Salami, Paradeiser, Käse, geröstete Salzmandeln und natürlich das eine oder andere Gläschen Rotwein.

Alles für die Wurst

Señor Bartomeu Frau ist ein ähnlicher Idealist, der uralte Traditionen aufrechterhält und überzeugt ist, nur so gegen die Billig-Massenproduktion der EU anzukommen. Er und seine Familie verschreiben sich seit über 100 Jahren der Sobrassada: Diese typisch mallorquinischen Wurstspezialitäten werden in seinem Betrieb La Luna in reiner Handarbeit hergestellt. Señor Frau stopft ausschließlich die allerbesten Teile des Schweins, Speck, Meersalz und Paprika (süß oder scharf) in die Naturdärme. Diese reifen dann in der Trockenkammer zu Wurstspezialitäten mit klingenden Namen wie Llonganissa, Cular, Porc Negre oder Poltrú.

Nicht nur für Wanderer ist der äußerste Westen Mallorcas lohnend. Nach kurvenreicher Autofahrt durch die schroffe und karge Serra de Tramuntana erreicht man die Mündungsschlucht Torrent de Pareis. Zwischen senkrecht aufragenden Felswänden, in einem breiten Flussbett, mäandert der Torrent mit glasklarem Wasser dem Meer entgegen. Unmittelbar vor dem Meeresstrand schlägt der Fluss nochmals einen doppelten Haken. Wer im Meer baden will, muss erst den Torrent durchqueren. Himmlische Badefreuden beginnen – quasi Wechselbäder zwischen Süß- und Salzwasser.

Im Landesinneren, dem Pla de Mallorca, dominiert die Landwirtschaft. Hier gedeihen Oliven und Mandeln, Zitrusfrüchte und Wein. Zwischendurch weiden friedlich Schafe. Der boomende ländliche Tourismus hat gottlob noch nichts zerstört.

Urbaner Charme

Aber auch nette Städtchen hat das ursprüngliche Mallorca zu bieten: Muro etwa oder Felanitx. Das verträumte Städtchen Sineu, genau in der geografischen Mitte der Insel, verwandelt sich am Markttag Mittwoch in einen farbenfrohen Rummelplatz mediterraner Lebensfreude. Vor der trutzigen Pfarrkirche Mare de Deu dels Angels wacht der geflügelte Löwe (Schutzpatron der Marktgemeinde ist der heilige Markus). Unter seinen gestreng-dümmlichen Blicken wechseln Vieh, Obst und Gemüse, Käse- und Wurstspezialitäten, Kleidung und spottbillige Keramikware den Besitzer.

Rustikal geht’s im Restaurant „Celler Son Toreó“ zu: uriger, gemütlicher und typischer kann man sich nach dem Marktbummel nicht stärken. Hier gibt’s zu moderaten Preisen landestypische Spezialitäten wie Tumbet (Gemüseauflauf mit Melanzani), Lomo con Col (Kohleintopf) oder Kaninchen.

Abstecher nach Palma

Urbanes Highlight schlechthin ist zweifelsohne Palma, die Inselhauptstadt mit knapp 300.000 Einwohnern. Völlig ungerechtfertigt wird die Modernisme-Schönheit (Jugendstil) von vielen Touristen links liegen gelassen. Palma bietet neben ihren Hauptsehenswürdigkeiten wie der grandiosen gotischen Kathedrale Sa Seu (aus dem 13. bis 16. Jahrhundert), der schlossartigen Börse Lonja (15. Jahrhundert), der ehemaligen Maurenburg, zahlreiche prachtvolle Paläste und wunderschöne Winkel.

Es ist nicht schwer, auf Mallorca ein schönes, authentisches Hotel mit Charme und Flair abseits des Rummels zu finden: Die Marketinggemeinschaft „Reis de Mallorca“ (wörtlich übersetzt: „Könige von Mallorca“) bietet 31 individuell geführte Häuser auf der ganzen Insel, die ein gemeinsames Ziel haben: die Kultur Mallorcas zu bewahren. Auf der ganzen Insel laden abgeschiedene Landhäuser und Fincas, außergewöhnliche Strandhotels, elegante Stadtpalais oder todschicke Designhotels ein: Sei es an der spektakulären Nordwestküste, im Landesinneren, an abgeschiedenen Stränden oder in der Altstadt von Palma, stets bieten sie die ideale Möglichkeit, das etwas andere Mallorca zu erleben.

Quelle: nachrichten.at