Mallorca Immobilien Nachrichten

Jagd auf die Fincas der Pleitiers

Schauplatz Mallorca: Juristen und Spezialfahnder spüren nach Villen, Luxusautos und Booten, die Pleitiers vor den Gläubigern retten wollen.

Diese Art des Empfangs hat selbst Urs Pelizzoni auf Mallorca noch nicht erlebt: Gerade noch rechtzeitig konnte er sich mit zwei Beamten der Guardia Civil, der spanischen Polizei, über den Zaun des Grundstücks der Luxusvilla vor einem wild gewordenen Dobermann retten.

Der Schweizer Betriebswirt Pelizzoni lebt als Insolvenzgeldjäger zuweilen gefährlich. Er sucht auf der Balearen-Insel nach Villen, Autos, Booten oder anderen Gütern, die Pleitiers verschweigen und an der Konkursmasse vorbeimogeln wollen. Die Gläubiger gingen dann leer aus. Und das Mallorca-Feeling der Bankrotteure bliebe ungetrübt.

Im Falle des Villenbesitzers mit dem aggressiven Dobermann hatte Pelizzoni noch keinen Erfolg: Er fand den Pleitier nicht. Und doch wird sich der Schweizer nicht aufhalten lassen: Er weiß nur zu gut, wie man Beute fängt und nicht mehr loslässt. Im Auftrag deutscher Gläubiger fahndet Pelizzoni zusammen mit drei Kollegen nach Vermögenswerten deutscher und eidgenössischer Pleitiers auf der Urlaubsinsel Mallorca.

Insignien der Macht einfach mal verstecken

Die Krise erreicht auch die Balearen. Viele von der Wirtschaftslaute gebeutelte Unternehmer und Privatiers lassen nichts unversucht, die Insignien ihres Reichtums vor ihren Gläubigern daheim zu verstecken. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit: Der Spürtrupp ist den Finanzjongleuren auf den Fersen - und die wiederum verstecken sich oder setzen auf juristische Tricks.

"Neulich“, erzählt Fahnder Pelizzoni, "haben die Leute in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das gesamte Inventar ihrer Villa für 300.000 Euro hinausgeschafft. Als wir am nächsten Tag ankamen, war kein Wasserhahn mehr an der Wand."

Retten, was zu retten ist, lautet die Devise. Ein beliebter Trick ist auch, die Villa zu einem Symbolpreis an einen Freund zu vermieten - nach spanischem Mietrecht darf die Immobilie nicht gepfändet werden, bevor der Fünfjahresvertrag ausläuft. Doch so mancher klamme Finca-Besitzer weiß nicht, dass Pelizzoni per Vollmacht der Gläubiger mit dem Anwesen machen kann, was er will. Hauptsache, die Immobilie bringt möglichst viel Bares.

Und Pelizzoni bemüht ebenfalls die spanische Rechtssprechung: Danach kann der Besitzer einer Luxusimmobilie den Mietpreis um ein Vielfaches erhöhen. Der Trick mit dem Langzeitmieter ist damit gescheitert, die Räumungsklage steht vor der Tür.

Pelizzoni und seine Kollegen haben keine Lust auf dieses Katz-und-Maus-Spiel. Im Idealfall sichern sie die Immobilie des Pleitiers, die nun den Gläubigern gehört, rechtzeitig mit einem "Sperrmieter“, also einem Mitarbeiter, der sich ständig auf dem Gelände der Villa aufhält. So kann er die ehemaligen Besitzer von Dummheiten abhalten.

Die deutschen Schuldner versuchen im Kampf um ihr Vermögen auch Korrumptives, um durchzukommen. "Es geschieht immer wieder, dass einer versucht, mit Barem zu winken, damit wir den Sportwagen noch aus der Garage lassen“, berichtet Pelizzoni.

Der Schweizer und die anderen drei Mitarbeiter der Firma Insolvenz Europe S.L. können sich in diesem Jahr vor Aufträgen kaum retten. Dringend sucht die Firma aus Palma de Mallorca Mitarbeiter, die Grundstücke sichern und etwas von Zwangsversteigerung verstehen.

50 Immobilien von Bankrotteuren kamen im vergangenen Jahr unter den Hammer, dieses Jahr registriert die Insolvenz Europe S.L. bereits gut 300 hauptsächlich deutsche und britische Pleiten auf Mallorca.

Viele der Zielpersonen von Insolvenz Europe hatten geglaubt, ihre Finca in Spanien sei auch im Fall der Pleite sicher vor deutschen Behörden. Doch seit ein paar Jahren greifen EU-Verordnungen: Sie bevollmächtigten die spanischen Behörden, Fahndern Amtshilfe bei der Durchsetzung der Forderungen deutscher Gläubiger zu leisten. Voraussetzung: Die Insolvenz ist von einem deutschen Gericht bestätigt.

Einige hat es mit dieser Neuerung kalt erwischt. Andere hingegen haben vorgesorgt. Hans von Rotenhan, deutscher Anwalt aus Palma, hat eine Hitliste der beliebtesten Verschleierungstricks zusammengestellt.

Einfach auf die Ehefrau überschreiben

Ganz oben stehe dabei die Überschreibung der Immobilie auf die Ehefrau, so Rotenhan. Trick Nummer zwei: "Man bringt die Immobilie in eine spanische Gesellschaft ein und verkauft die Anteilsscheine dann an eine Offshore-Firma“. Und dann gibt es noch die Strategie, das Haus in einer Gesellschaft zu verstecken, dessen Geschäftsführer ein vertrauenswürdiger Dritter ist. Der schöne Effekt: Der Bankrotteur bleibt unbehelligt auf seiner Finca, weil sie ihm offiziell gar nicht gehört.

Längst haben deutsche Rechtsanwälte mit spanischer Zulassung das Insolvenzgeschäft für sich entdeckt. Auch sie können professionell in Grundbüchern und Katasterämtern stöbern - und Nachbarn scheinbar harmlose Fragen stellen.

Erst vor zwei Wochen meldete Manuel Stiff, ebenfalls deutscher Anwalt mit Kanzlei in Palma, einen Doppelerfolg. Zwei deutsche Nachbarn auf Mallorca waren pleite und hatten beide ihre Villen an der Insolvenzmasse vorbeischleusen wollen. Dumm nur, dass die Paare mit ihrem deutschen Bankberater gerne über ihre Villen plauderten - und der Bankberater wiederum gerne mit Jurist Stiff redete.

Überhaupt: "Die Deutschen und die Schweizer dokumentieren korrekt und sind auskunftsfreudig“, weiß Insolvenzverwalter Pelizzoni. "Von den Indizien kommt man schnell zu den Beweisen, die sind in den Ordnern fix und fertig abgeheftet."

Langer Atem nötig

Manchmal aber brauchen die Vollstrecker einen langen Atem. Rotenhan liegt derzeit für einen deutschen Kunden auf der Lauer. Um sein Barvermögen vor seinen Gläubigern zu verstecken, hat ein deutscher Schuldner der Witwe eines kürzlich verstorbenen bekannten Millionärs eine Finca auf Mallorca abgekauft. Das Kalkül ist simpel: Nach spanischem Recht muss der neue Besitzer nicht ins Grundbuch eingetragen werden. So schaut der Gläubiger in die Röhre und der Schuldner wohnt auf seiner neuen Finca.

Auf die Frage, was der Anwalt nun unternehmen werde, antwortet Rotenhan: "Ich warte ab, bis er sich durch eine Unachtsamkeit als wahrer Besitzer outet.“

Dann muss nur noch auf den Dobermann geachtet werden.