Mallorca Immobilien Nachrichten

Immobilien Mallorca: Mallorca und seine Bausünden

In Spanien gibt es böse Menschen wie überall, doch was in jedem Land eigene Formen annimmt, sind die kriminellen Arbeitsfelder. Hier also ist es besonders verführerisch, etwas mit Immobilien zu veranstalten. Dem Boom des Ziegelsteins verdankt Spanien, ein Land mit fünftausend Kilometern Küstenlinie, seinen langen wirtschaftlichen Höhenflug (und zurzeit einen schmerzhaften Niedersturz). Wer mit offenen Augen durch die Gegend fährt, besonders in jenen Teilen, wo dreitausend Sonnenstunden im Jahr die Regel sind, kann die urbanistischen und ästhetischen Folgen des entfesselten Bauens auf Schritt und Tritt begutachten. Böse Menschen müssen ja keinen Geschmack haben. Sie brauchen nur die Kunst der Verwandlung zu beherrschen: Aus Ackerland mach Bauland.

Jetzt hat das Oberlandesgericht der Balearen die vierjährige Haftstrafe für Eugenio Hidalgo, den ehemaligen Bürgermeister des Städtchens Andratx auf Mallorca, bestätigt. Hidalgo hatte sich auf eine Parzelle mit besonderem landschaftlichem Wert illegal ein Haus gesetzt und war dafür im Mai 2008 verurteilt worden. Ihm wurden nicht nur Verstöße gegen die Bauordnung, sondern auch Amtsmissbrauch vorgeworfen. Die Bestätigung des Urteils am Jahresende hat in den spanischen Medien eine gewisse Aufmerksamkeit erzielt. Man nimmt ja gern an, die Mächtigen kämen mit ihren Manövern spielend durch, während die kleinen Leute schon für Lappalien verknackt würden. Diesmal nicht. Doch es steckt noch mehr dahinter. Es war, als müsste endlich einmal jemand unter landesweiter Anteilnahme hinter Gitter, damit man sich einreden kann, Baukriminalität werde tatsächlich geahndet. Und sucht man nach einem Demonstrationsobjekt mit symbolischem Mehrwert, hat man im Kasus des jetzt Verurteilten alles, was man brauchen könnte.

In der Form korrekt, in der Substanz erlogen

Eugenio Hidalgo war noch Bürgermeister von Andratx, als er zum Preis von dreißigtausend Euro ein knapp viertausend Quadratmeter großes Stück Land kaufte - macht weniger als acht Euro pro Quadratmeter. Bei bebaubarem Terrain schnellt der Preis leicht auf das Zweihundertfache. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Hidalgo sich nach dem Kauf mit Jaume Massot in Verbindung setzte, seinerzeit Leiter des Baureferats in Palma, und ihn um Hilfe bat. Er wollte auf seinem Land ein Haus bauen, obwohl das verboten war. Eine Woche später empfahl Massot, einen Antrag auf Ausbau einer landwirtschaftlichen Lagerhalle zu stellen.

Das Folgende war, was den Ablauf betrifft, von mustergültiger Korrektheit, doch in der Substanz im höchsten Maße erlogen. Anfang 2003 phantasierte ein zu diesem Zweck bestellter Agraringenieur in einem Gutachten etwas über die nicht existente landwirtschaftliche Nutzung des Grundstücks, erfand Orangenbäume, Gemüsebeete, Legehennen und begründete die Notwendigkeit, einen nur im Geiste errichteten Funktionsbau zu erweitern. Im Februar 2003 stellte Eugenio Hidalgo den notwendigen Antrag, der im Mai, nach einer persönlichen Besichtigung des Geländes durch Massot und einen Kollegen, bewilligt wurde. Jeder wusste, dass hier niemand je etwas züchten, pflanzen oder ernten würde. Kaum hatte er die Genehmigung in der Tasche, gab Bürgermeister Hidalgo den Bau eines frei stehenden Hauses von hundertdreißig Quadratmetern in Auftrag. Warum sollte sich der wichtige Herr nicht eine besonders schöne Aussicht zum Schleuderpreis gönnen?

Verstöße gegen die Baugesetze und besonders die unrechtmäßige Umwidmung von Grundstücken gehören zu den lukrativsten Verbrechen in Spanien. Die Spuren verschwinden oft im Geflecht von Nepotismus und kumpelhafter Geschäftsbeziehungen. Selbst die aufgeflogenen Skandale der letzten Jahre, von den Balearen bis nach Marbella, wo 2006 ein ehemaliger Bürgermeister, die seinerzeit amtierende Bürgermeisterin und der Referatsleiter für Bauwesen ins Gefängnis mussten, haben daran nichts geändert. Die Verführung ist einfach zu groß, und was ist schon ein Stück Land, das alles erduldet und scheinbar niemandem gehört?

Zeitweise wurden in Spanien mehr neue Wohneinheiten gebaut als in Deutschland, Frankreich und Italien zusammen, und an manchen Orten haben sich die Immobilienpreise in den letzten fünfzehn Jahren verdreifacht. Weil es immer noch viele leere Flächen gibt - Spanien ist größer als Deutschland, hat aber nur halb so viele Einwohner -, entstehen mit schockhafter Geschwindigkeit urbanistische Riesenprojekte, deren realen Nutzen kaum jemand in Frage stellt. Die jetzt bestätigte Verurteilung von Hidalgo - sein Helfer Massot erhält immerhin dreieinhalb Jahre Haft - ist für die spanischen Zustände das richtige Signal. Und sie wird kommende Bausünder dazu animieren, etwas geschickter vorzugehen.