Mallorca Immobilien Nachrichten

Die große Welle der Notverkäufe bleibt aus

Als im vergangenen Jahr aus der Finanzkrise eine Wirtschaftskrise wurde, prophezeiten Experten eine Welle von Immobilien-Notverkäufen. Doch sie blieb aus. Warum Immobilienfinanzierer sogar auf Teile ihrer Kreditforderungen verzichten.

"Insolvenzverwalter und Banken haben kein Interesse an Notverkäufen", sagt Christian Schulz-Wulkow, Leiter der Immobilien-Investmentsparte bei Ernst & Young Real Estate (E&Y RE). Das deutsche Insolvenzrecht sei auf Werterhalt ausgelegt, während die Banken ohnehin zusätzliche Verluste scheuten. Hinzu kommt, dass die Institute sich nicht durch Notverkäufe noch selbst weiter die Immobilienpreise verhageln wollen.

In den Boomjahren 2005 bis 2007 hatten vor allem ausländische Investoren mit bis zu 100 Prozent Fremdkapital deutsche Immobilien gekauft. Die Wirtschaft blühte. Es wurden steigende Mieten prognostiziert und daraus resultierten ab und an Immobilienwerte, die sogar noch über den Kaufpreisen lagen. Die Banken vereinbarten damals in den sogenannten Covenants (Kreditbedingungen) Beleihungsgrenzen und regelmäßige Überprüfungen der Immobilienwerte. Das Überschreiten der Grenzen berechtigte sie zur Kreditkündigung.

Diese Covenants wurden inzwischen vielfach gerissen, weil die Immobilienwerte sanken. Der Druck kommt dabei von zwei Seiten. So werden aktuell Mietverträge zu schlechteren Konditionen abgeschlossen. Zudem sind Mieterinsolvenzen nicht ausgeschlossen. In Summe sinken die Einnahmen.

Dennoch halten die Banken still, ist aus der Immobilienbranche zu hören. Das gilt vor allem, wenn zwar Covenants gerissen, aber Zins und Tilgung noch bedient werden. Dann wird nach zusätzlichen Sicherheiten gesucht. Das können Nachschüsse der Gesellschafter sein. Oder es werden Ausschüttungsverzichte vereinbart - wie bei der "Gurke", dem von einem IVG-Fonds gehaltenen, berühmten Londoner Bürokomplex.

Selbst wenn Zins und Tilgung ausbleiben, ziehen die Banken keineswegs sofort die Reißleine. "Grundsätzlich bevorzugen die Banken eine gemeinschaftliche Lösung", stellt Marcus Lemli, Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters Jones Lang Lasalle Deutschland (JLL) fest. So berichtete Lemlis JLL-Kollege Christian Ulbrich schon vor Wochen, dass Immobilienfinanzierer auf Teile ihrer Kreditforderungen verzichteten, um die Eigentümer zur weiteren Bewirtschaftung der beliehenen Immobilien zu motivieren.