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Die Balearen - vier Inseln, vier Welten

Gemeinsam und doch voneinander verschieden, bilden sie die Balearen – Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera

Die Balearen liegen auf halbem Weg zwischen Barcelona und Algier. Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera verbinden europäische mit nordafrikanischer Kultur und haben untereinander nur wenig gemeinsam. Es sind vier Inseln mit vier verschiedenen Welten.

 

Ist von den Balearen die Rede, denkt man meist an Mallorca. Dabei gehören auch Menorca, Ibiza und Formentera dazu. Zusammen sind es vier Inseln mit durchaus unterschiedlichen Welten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie seit Jahrtausenden von Piraten, Handelsleuten, Soldaten, Forschern, Auswanderern und in der Moderne auch von Touristen besucht, besetzt, erobert und wieder verlassen wurden und werden. Fangen wir im Süden an: Formentera, geologisches Anhängsel von Ibiza, ist 83 Quadratkilometer klein und hat rund 100 Kilometer Küste. Hier fühlt man sich stets dem Wasser nahe. Das flache, sandige Eiland ist mit der Fähre von Ibiza-Stadt aus in zwanzig Minuten zu erreichen. Beide Inseln waren über Jahrhunderte von den Arabern besiedelt. Der nordafrikanische Einfluss ist in der Architektur und der Physiognomie der Einheimischen erkennbar. Formentera ist erst seit Anfang des 18. Jahrhunderts besiedelt.

 

Die relative Unberührtheit ist der Insel grösstes Gut. Derzeit leben dort rund 9000 Menschen, darunter ein kleiner, aber auffälliger Teil von Hippies aus ganz Europa. Für Liebhaber eines einfachen Lebensstils und für naturnahe Familien ist Formentera mit seinen 22 Naturstränden ein Paradies. 150 Hotels und Ferienhäuser bieten unterschiedliche und mehrheitlich einfache Unterkünfte an. Es gibt auch Mietwagen, aber die Inselverwaltung empfiehlt den Gästen Linienbusse, Fahrräder und Mopeds zur Fortbewegung.

 

Reizarme Ferien auf Formentera

Im August sollte man Formentera aber meiden. Nicht nur wegen der sengenden Hitze, sondern auch weil es dann voll wird. Besonders Italiener und Festlandspanier lieben das Eiland. Doch ausserhalb der Hauptferienzeit lassen sich die Sommerferien auf Formentera folgendermassen umreissen: warmer Wind in den Haaren, Salz auf der Haut, Velotouren zum Leuchtturm, Schwimmen in seichtem, türkisfarbenem Wasser, Wandern zwischen Dünen und Sandarak-Bäumen, Schnorcheln in Buchten, Schlafen unter Kiefern, Fischgerichte geniessen in unzähligen Variationen.

Wem das zu reizarm ist, der sollte Ibiza wählen. Seit die Rolling Stones 1964 auf Ibiza Ferien verbrachten, zieht die Insel sonnenhungrige Tänzer jeden Alters und jeder Nationalität an, die mit Leidenschaft ihrer Leidenschaft nachgehen. Die Insel hat einen der international besten Nachtklubs, das «Space». Das Partyvolk teilt sich die Insel im Sommer mit Hobbyarchäologen und Naturfreunden. Denn Ibizas Kulturerbe ist beeindruckend. Sowohl an den Küsten als auch im Inselinneren ist die Natur spektakulär. Olivenhaine, Mandelbäume und die typisch ibizenkischen Bauernhäuser – weissgetünchte, würfelartig zusammengesetzte Flachbauten – prägen die Landschaft. An der Küste laden enge Buchten und vorgelagerte Inselchen zum Tauchen und Segeln ein. Und Ibizas Sonnenuntergänge sind Legende.

117 000 Menschen leben ganzjährig auf 570 Quadratkilometern. 16 internationale Airlines fliegen den Flughafen von Ibiza-Stadt an, im Sommer landen an einem Wochenende bis zu tausend Maschinen. Fähren verkehren zwischen Ibiza, der Festlandküste und der Nachbarinsel Mallorca, die man in zwei Stunden erreicht. Diese exzellenten Verbindungen haben auch negative Folgen: Die Einheimischen leben neben Aussteigern und Zuwanderern. Zwar tolerieren sie diese Vielfalt, haben darüber aber auch einiges von ihrem eigenen kulturellen Erbe verloren, allem voran die ibizenkische Variante der katalanischen Sprache. Wer nicht in einer Hotelburg den Küstenorten Sant Antoni, Santa Eulària oder Sant Josep nächtigen will, kann sich nach einem Bauernhaus umsehen oder eine Dorfpension suchen – hier spürt man den Charme der Insel und ist doch nie weit weg von einem der 69 Strände.

Neuausrichtung auf Mallorca

Landhotels sind auch auf Mallorca, der grössten Baleareninsel, im Trend. Die Insel hat lange auf Masse statt Klasse gesetzt und dabei einiges von ihrem Natur- und Kulturerbe geopfert. Doch inzwischen hat ein Umdenken eingesetzt und zeigt erste Erfolge: Landschaftsschutz wird grossgeschrieben, Wander- und Radwege führen durch unberührtes Hinter- und Bergland, heruntergekommene Küstenorte werden saniert. Die Playa de Palma («Ballermann»), mit knapp 40 000 Betten Hochburg des balearischen Strandtourismus, soll bis 2015 zu einem internationalen Pilotprojekt für sanften Strandtourismus werden. Das ursprüngliche Mallorca können Besucher vor allem bei Finca-Ferien im Landesinneren und in der Serra de Tramuntana entdecken.

Mallorca hat rund 800 000 Bewohner, die Hälfte davon lebt in der Hauptstadt Palma. Das Eiland bietet auf seinen 3600 Quadratkilometern eine erstaunliche Vielfalt. 207 Strände säumen die Küste, knapp ein Dutzend Berggipfel erheben sich an der Westküste, und Museen und Galerien zieren die Kapitale. Nur wenige Kilometer davon entfernt liegen verschlafene Nester, adrette Städtchen oder vornehme Siedlungen. 23 Golfplätze, mehr als 30 Spitzenhotels und Luxusimmobilien locken Kaufkräftige aus aller Welt an. Dank diesem umfassenden Angebot und einer geschickten Vermarktung konnte Mallorca seine Nachbarinseln jahrzehntelang in den Schatten stellen.

Die bescheidenste der vier Inseln, Menorca, fürchtet derzeit die Folgen der internationalen Wirtschaftskrise. Die nördlichste Insel der Balearen liegt eine Fährstunde von Mallorca entfernt und ist besonders bei den Briten beliebt. Deren Kaufkraft ist jetzt stark gesunken. Doch nicht nur aus Solidarität mit den 70 000 Menorquinern sei ein Besuch empfohlen. Die 700 Quadratkilometer grosse, flache und immergrüne Insel ist seit 1993 Biosphärenreservat. Sie bietet 190 Quadratkilometer unberührte Naturschönheit sowie Weideland für 7000 friesische Milchkühe. Die beiden Städte Ciutadella und Mahón liegen 47 Kilometer auseinander – die grösste Ost-West-Ausdehnung der Insel. Wer auf den 350 Meter hohen Berg Toro steigt, Menorcas einzige Erhebung, blickt auf einen grünen Flickenteppich mit weissen Sprenkeln – Viehhöfe und Dörfer. Am Horizont erkennt man den Wellensaum und einige der nahezu weissen 56 Naturstrände. Das Mittelmeer hat hier einen ungewöhnlichen Grünton.

Höfe und Dörfer auf Menorca

Die Insel lebt von der Milchwirtschaft und vom Ferienhaustourismus. In den beiden Städten und sechs Dörfern warten zudem 350 Hotels der mittleren Preisklasse auf Besucher. Für Reiter und Velofahrer gibt es weitläufige Routen, für Ornithologen ein Vogelschutzgebiet, für Wanderer Schluchten, Höhlen und Küstenwege. Liebhabern mediterranen städtischen Lebens – enge Gassen, gutes Essen, laue Nächte – finden all das in Ciutadella, einem Schmuckstück in Städtchenform. Wer sich über die Geschichte des Mittelmeers informieren will, der kann Grabstätten, Festungen und Museen besuchen. Um Menorca kämpften die Araber und die Römer, die Türken, die Briten, die Franzosen und die Katalanen. Sie alle haben im Leben des zurückhaltenden, ruhigen Inselvolks Spuren hinterlassen.

Menorca ruft mit seinen üppigen Wäldern und saftigen Wiesen atlantische Assoziationen wach. Lässt man jedoch den Blick schweifen, erkennt man in erstaunlicher Deutlichkeit die so fern gefühlte Nachbarinsel Mallorca.