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Altbauten müssen keine Energieschleudern sein

Denkmalgeschützte Häuser müssen keine Energieschleudern sein. Sie können so hergerichtet werden, dass ein Wohnen nach modernen Standards möglich ist, so der Verband Privater Bauherren (VPB).

„Bei der Sanierung muss aber jedes Haus individuell betrachtet werden“, erklärt VPB-Vorsitzender Thomas Penningh. „Standardisierte Lösungen gibt es nicht.“ Die Gebäudesubstanz und das äußere Erscheinungsbild von denkmalgeschützten Häusern sollen durch die Sanierung nicht beeinträchtigt werden.

Zwar verbietet sich bei aufwendigen Fassaden eine außenliegende Wärmedämmungen. „Aber auch solche Häuser lassen sich zeitgemäß heizen“, meint Penningh. Ob sich die Besitzer für eine bauphysikalisch nicht unproblematische Innendämmung entscheiden oder für alternative Heizungssysteme, das richte sich stets nach den bautechnischen Besonderheiten der Immobilie und den Auflagen der zuständigen Denkmalschutzbehörde.

Weil Baudenkmäler eine besondere Behandlung benötigen, sind Experten dabei, Lösungen für gängige denkmalgeschützte Gebäudetypen zu entwickeln. Einige sind im Leitfaden „Energieeinsparung und Denkmalschutz“ der Deutschen Energieagentur (Dena) enthalten.

Da die Sanierung denkmalgeschützter Häuser mit vielen Auflagen verbunden und meist teurer als bei herkömmlichen Immobilien ist, kommt der Staat Denkmalbesitzern entgegen. Sie können fast alle Arbeiten an ihrem Haus steuerlich absetzen, und zwar zu 90 Prozent über zehn Jahre. Vorausgesetzt, das Haus wird von den Eigentümern selbst bewohnt und sämtliche Sanierungs- und Umbauarbeiten werden vor Baubeginn mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde abgestimmt und von ihr genehmigt. Das behördliche Einverständnis ist Bedingung für die spätere Ausstellung der Bescheinigung, die dem Finanzamt vorgelegt werden muss.

Zeitgemäße Umwelttechnik

Zeitgemäße Umwelttechnik lässt sich in alte Bauernhäuser einbauen. „Man kann Erdwärmepumpen nutzen“, schlägt Fachbuchautor Thomas Drexel vor. Moderne Solarkollektoren können auch auf flachen Dächern von Nebengebäuden montiert werden, so dass sie nicht zu sehen sind. „Schließlich eignet sich Gasbrennwerttechnik oder eine Holzpelletheizung zum Heizen des Bauernhauses“, sagt der Autor.

Material kann belastet sein

Die zum Teil lange Lebensgeschichte historischer Bauteile birgt auch Risiken. Sie können mit problematischen Stoffen behandelt worden sein oder durch ihre Verwendung giftige Substanzen aufgenommen haben. Am Anfang jeder Bergung steht daher eine historische Erkundung, erklärt Christoph Freudenberger, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes Historische Baustoffe. Handelte es sich um ein Wohnhaus, könnten die Baustoffe meist problemlos weiter verwendet werden. Bei einem Stall oder einer Werkstatt seien die Materialien hingegen häufig kontaminiert.

Nicht immer ist die Geschichte von Bauteilen zu klären. Manchmal lässt sich erst durch eine Laboruntersuchung herausfinden, ob und wie ein Bauteil behandelt wurde. „Ich rate jedem Kunden, das vom Händler zu fordern“, sagt Freudenberger.

Baustoffe mit Patina verwenden

HISTORISCHE BAUTEILE Material wird in Rohform oder bearbeitet angeboten

GEBRAUCHSSPUREN VERLEIHEN ALTEN BAUTEILEN CHARME. SIE WERDEN BEI ABRISSEN ODER ENTKERNUNGEN GESICHERT.

Zu einem alten Bauernhaus gehören dicke Holztüren. Und gusseiserne Beschläge sehen einfach besser aus als Baumarktware. Beschläge und Holztüren können sich Hausbesitzer nachbauen lassen. Alternativ lohnt der Blick auf die Internetseiten von Händlern historischer Baustoffe. Dort einheitliche Türen für ein Haus zu finden, ist zwar unwahrscheinlich. Dafür tragen die angebotenen Waren Patina, und die Gebrauchspuren geben ihnen Charme. Vor dem Erwerb historischer Baustoffe sollten Käufer jedoch einige Fragen klären.

Soll ein altes Haus saniert werden, gilt es als erstes zu prüfen, ob das Objekt unter Denkmalschutz steht. „In diesem Fall würde ich klären, ob es Vorgaben gibt. Das erspart doppelte Arbeit“, sagt Andreas Vogel, Diplom-Bauingenieur beim Görlitzer Fortbildungszentrum für Handwerker und Denkmalpfleger.

Steht das Haus nicht unter Schutz, soll aber trotzdem seinen Charakter bewahren, empfiehlt es sich, bei einem Bauforscher Rat einzuholen. Denn der Charakter eines Gebäudes wird nicht zuletzt durch die verwendeten Baustoffe und Bauteile geprägt, erklärt Mila Schrader, Autorin eines Ratgebers über Altbausanierung (Mila Schrader/Julia Voigt: Adressleitfaden und Ratgeber für Altbausanierung und exklusives Wohnen. Edition: anderweit, 24,95 Euro, ISBN: 978-3- 931-82432-7).

Historische Baustoffe wie Balken oder Steine stammen häufig aus Abbruchhäusern oder Entkernungen, sagt Christoph Freudenberger, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes Historische Baustoffe (UHB). Händler kaufen diese auf, es gibt aber auch Lager, die von Denkmalschutzbehörden oder Vereinen betrieben werden, sagt Andreas Vogel. Neben Baustoffen werden auch Bauteile wie Türen, Fenster oder Kachelöfen angeboten.

Die historischen Materialien werden in Rohform – also so, wie sie aus den vorherigen Häusern entnommen wurden – oder bearbeitet angeboten. „Es gibt Leute, die möchten die Teile gern selbst aufarbeiten“, sagt Freudenberger. Andere wünschten Altes mit modernem Standard. Dann werde beispielsweise eine historische Holztür mit Sicherheitstechnik und Wärmedämmung versehen.